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Wohnraumberatung

„Die Badewanne fliegt immer gleich raus“

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FN_Artikel_Wohnberatung „Da kommt ein alter Mensch vielleicht noch rein, aber in der Regel nicht mehr raus“, erläutert Werner Hetterich das Problem mit der Badewanne. © Scherer

Der Architekt Werner Hetterich wirbt für die Beratung über altersgerechten Wohnraum des Landkreises, Quelle: nordbayern.de Fürther Nachrichten

OBERASBACH - Die Gesellschaft altert und immer mehr Menschen möchten ihren Lebensabend so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden verbringen. Seit über zwei Jahren bietet der Landkreis dazu eine Wohnraumberatung an. Die Nachfrage ist aber nicht so hoch, wie man glauben möchte. Wir haben mit Werner Hetterich über das Thema gesprochen. Der Architekt aus Oberasbach zählt zur Gruppe der Experten, die ehrenamtlich Landkreis-Bürger beraten.

Was, Herr Hetterich, hat in der altersgerechten Immobilie keine Chance?

Werner Hetterich: Ganz klar die Badewanne, die fliegt immer gleich raus. Denn ein alter Mensch kommt da zwar rein, in der Regel aber nicht mehr raus. Es ist ja schon mit der Dusche schwierig, wenn ich mein Bein keine 15 Zentimeter mehr hoch heben kann. Da muss man dann eben eine bodengleiche Dusche einplanen mit individuell anzupassenden Glaselementen.

Wie gehen Sie bei einer Wohnraumberatung vor?

Hetterich: Sobald ich eine Mail mit der Telefonnummer eines Interessenten vom Landratsamt erhalten habe, rufe ich an und frage, wo das Hauptproblem liegt, weil ich mir dann vorab schon Gedanken machen kann. Wir haben zwar eine achtseitige Liste mit den verschiedenartigsten Punkten, aber 80 Prozent davon, so meine Erfahrung, sind in der Praxis nicht immer zutreffend. In der Regel gibt es ein Hauptproblem, für das man eine Lösung braucht.

Was sind denn die klassischen Altersfallen in einer Immobilie?

Hetterich: Es beginnt eigentlich beim Eingang, wenn Stufen vorhanden sind, muss man die überwinden. Über die Dusche haben wir schon gesprochen. Die Badezimmertür gehört auch dazu, die muss nach außen aufgehen, nicht nach innen. Denn wenn jemand im Bad zusammenbricht und vor der Tür liegt, wird es gefährlich, weil es für Helfer schwierig wird, hineinzukommen. Lose Teppiche sind genauso klassische Stolperfallen wie Elektrokabel.

Wenn ich eine neue Dusche will, hole ich den Installateur. Was bringt mir die Wohnraumberatung?

Hetterich: Der Installateur ist der Fachmann für sein Gewerk. Der Architekt und Wohnraumberater hat den Überblick und zeigt die Konsequenzen einzelner Maßnahmen auf. Was nützt eine bodengleiche Dusche, wenn nicht genügend Platz ist, um mit dem Rollstuhl zu rangieren? Dann muss man vielleicht einen Heizkörper verrücken oder eine Wand versetzen. Vielleicht ist auch die Tür zu schmal und ich komme mit dem Rollstuhl überhaupt nicht ins Bad. Das ist nur Einiges, das zu bedenken ist. Wenn etwas gemacht wird, kann es sein, dass Sie ganz schnell einen Fliesenleger, einen Elektriker, einen Maler, einen Sanitärinstallateur und einen Heizungsbauer brauchen.

Eine Wand versetzen, fünf Handwerker – das klingt nach viel Geld, das man in die Hand nehmen muss.

Hetterich: Am liebsten sind mir die Lösungen, die wenig kosten oder vielleicht selbst zu machen sind. Nehmen wir das Bett: Für ältere Menschen muss es höher sein, damit sie sich beim Aufstehen leichter tun. Da genügt es, die Bettfüße mit angepassten Holzstücken, die sicher verschraubt werden, zu erhöhen. Auch ein Handlauf im Treppenhaus, der übrigens immer rund sein muss, damit er sich gut greifen lässt, verbessert die Sicherheit und ist für ein paar hundert Euro zu haben.

Ist es die Angst vor den Kosten, die die Menschen von der Wohnraumberatung fern hält?

Hetterich: Nein. Das Angebot ist zu wenig bekannt. Wenn ich zu jemandem ins Haus komme, ist eigentlich die größte Sorge der Menschen, dass man keine Lösung für ihre Probleme findet. Und mein Ziel, das ich bisher auch immer erreicht habe, ist es, den Leuten eine Lösung anzubieten.

Und dann?

Hetterich: Es handelt sich um Vorschläge, mit denen man umgehen kann, wie man möchte. Niemand ist zu etwas verpflichtet.

Gibt es für Umbaumaßnahmen eigentlich auch Zuschüsse?

Hetterich: Danach werde ich natürlich immer gefragt. Weil sich da aber immer wieder etwas ändert, verweise ich auf Experten des Landratsamtes.

Was sollten junge Menschen, die heute ein Haus bauen, unbedingt beachten?

Hetterich: Barrierefrei bauen, auf den Keller verzichten und natürlich am besten alles ebenerdig. Das hängt zwar von der Grundstücksgröße ab, aber im Prinzip braucht man dafür nur 15 Prozent mehr Fläche. Die Türen sollten einen Meter breit sein, damit auch Rollstuhlfahrer alleine durchfahren können. Im Bad braucht man bei Dusche und Badewanne zwar noch keine Haltegriffe, aber die Unterkonstruktionen dafür sollte man auf jeden Fall schon vorsehen.

Kontakt zur Wohnraumberatung über das Landratsamt unter Telefon (0911) 97731034 oder per E-Mail an wohnraumberatung@lra-fue.bayern.de. Die Kosten für eine Beratung liegen bei 25 Euro.


Interview: HARALD EHM